Kurz vor acht im HORNBACH Markt Oberhausen. Eigentlich wäre gleich Feierabend, aber heute geht es jetzt erst richtig los. Einkaufswagen mit Snacks und Sektflaschen rollen in Richtung Gartenabteilung, wo bereits die Biertischgarnituren aufgebaut sind. An den Projektstationen legen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Marktes Werkzeuge und Materialien bereit und der DJ macht noch einen kurzen Soundcheck.
Statt im Kino oder auf der Tanzfläche verbringen sie ihren Freitagabend heute im Baumarkt – mit Bohren und Dübeln, Fliesen verlegen oder Holzverarbeitung. Die Stimmung ist super, trotz der Aussicht auf drei Stunden Dreck, Schweiss und Lärm. Oder vielleicht gerade deswegen?
Ich fühle mich fehl am Platz, denn Heimwerken ist so gar nicht mein Ding. Bisher bin ich in meinem Leben sehr gut ohne Bohrer, Akkuschrauber und Stichsäge ausgekommen. Heimwerker – das sind für mich Männer mit Bauchansatz jenseits der 50. So wie die Typen in den HORNBACH Werbeclips, die unter Schweiss und Tränen den Hammer schwingen oder auch mal nackt einen Berg runterrutschen. Nicht gerade sexy. Die Frauen, die heute ungeduldig auf Einlass warten, scheinen das anders zu sehen. Wahrscheinlich sind einige von ihnen bereits Stammkunden – schliesslich ist statistisch gesehen mittlerweile fast die Hälfte aller Baumarkt-Besucher Frauen.
Kurz nachdem der letzte Kunde die Kassenzone passiert hat, öffnen sich erneut die Türen. Die Sektkorken ploppen, die Musik wird lauter und der Stimmungspegel steigt. Fest entschlossen, dem Ganzen eine Chance zu geben, schnappe ich mir ein Glas Sekt und quetsche mich zu den anderen auf die bereitgestellten Bierbänke. Mir gegenüber sitzt Martina, die schon letztes Jahr in Gelsenkirchen dabei war und diesmal ihre Freundin mitgebracht hat. «Mensch, sowas sollten wir bei uns in der KFZ-Werkstatt auch mal machen», meint sie. «Wir könnten zeigen, wie man Zündkerzen tauscht oder einen Ölwechsel macht – das würde bei unseren Kundinnen bestimmt gut ankommen».
Inzwischen ist es kurz nach 23 Uhr und eigentlich Zeit zu gehen. Ein paar Regalreihen weiter im Workshop «Oberflächen kreativ gestalten» herrscht jedoch noch reger Betrieb. Ich treffe wieder auf Martina und Sylvia, die ihren Holzkisten im Vintage-Look noch den letzten Schliff geben. Begeistert präsentieren sie die Ergebnisse der letzten Stunden Arbeit.
Ich schnappe mir meinen Ritterstuhl und mache mich schliesslich zusammen mit den anderen Teilnehmerinnen auf dem Heimweg, während die Marktmitarbeiter mit den Aufräumarbeiten beginnen. Bis morgen um 7 Uhr müssen die Spuren unserer Heimwerkerparty beseitigt sein. Dann geht es mit dem normalen Betrieb weiter. Und vielleicht kommt ja auch die eine oder andere Teilnehmerin nochmal vorbei. Ich jedenfalls werde am Wochenende endlich die Lampen in meiner neuen Wohnung anbringen.
Erfahrungsbericht von Anne Spies